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20Mai/101

Neue Blackhat-Methoden im Telefonmarketing

Anruf-RoboterBlackhat ist ein Begriff, welcher vor allem im Bereich des Hackings und der Suchmaschinenoptimierung Verwendung findet. Dabei bezeichnet er Methoden, denen ein Hauch von Illegalität anhaftet. Sei es weil diese Methoden gegen Gesetze oder die Nutzungsbedingungen von Suchmaschinen oder anderen Websites verstoßen. Bei Blackhat-Methoden kommen oftmals virtuelle Roboter zum Einsatz, welche z.B. Anmeldungen bei Foren etc. automatisiert durchführen.

Heute ist mir allerdings etwas passiert, auf Grund dessen ich den Begriff Blackhat gern auf eine weitere Disziplin ausweiten möchte: das Telefonmarketing.

Eine neue Dimension in der Telefonakquise von Privatkunden

Das Anrufen von Privatpersonen zu Werbezwecken ist ohne deren ausdrückliche Einwilligung in Deutschland zum Glück seit geraumer Zeit verboten. Einige zwielichtige Unternehmen versuchten es dennoch gelegentlich, doch dies wurde, zumindest für mein Empfinden, immer weniger.

Anruf-Roboter 1.0

Viele kennen vielleicht auch noch diese automatisierten Anrufe, bei welchen eine billige Tonbandaufnahme abgespielt wurde und man irgendwelche Tasten drücken sollte. Doch auch diese Zeiten sind nun vorbei, denn die sofort erkennbaren Anruf-Roboter machen einer neuen Generation von Anruf-Robotern Platz, die bisher wohl ihres Gleichen suchen, und diese kommen in der Verkleidung eines Blackhats daher.

Anruf-Roboter 2.0 - Die Blackhat-Armee

DatenschutzHeute bekam ich also einen solchen Anruf von einem Anruf-Roboter 2.0, in ausgezeichneter Klangqualität im Übrigen. Dieser fragte mich zunächst mit wem er verbunden sei, und dies gleich noch ein zweites Mal, er hätte mich beim ersten Mal nicht ganz verstanden. Es folgte eine formvollendeten Ansprache, und ich wollte ihn spaßeshalber, und das ist kein Scherz, erst fragen, ob er mir diese nicht mal als MP3 schicken könnte, weil diese so perfekt formuliert und vorgetragen wurde. (...)

Weiter im Text: ich hätte was gewonnen (die ganz alte Nummer), ganz sicher, es steht nur noch nicht fest was genau. Ich hätte doch sicher noch Platz für eine Million auf dem Konto, ich verneinte zwar, doch er ging nicht weiter darauf ein. Zwischendurch fragte ich ihn dann, von welchem Unternehmen er denn anrufe, sein Antwort: "Die Gewinne werden von unseren Sponsoren zur Verfügung gestellt".

Bis hierhin, muss ich zu meiner Schande gestehen, war ich fest davon überzeugt mit einem (gut geschulten) Menschen zu telefonieren. Er erzählte mir noch, dass das Ganze in einem Monat starten und ja auch nur 40,- Euro im Monat kosten würde, etc. Doch dann hat er sich verraten, der Dialog ging ungefähr so:

Er: "Dann möchte ich nochmal die Daten abgleichen, Ihr Name ist.."
Ich: "Was für Daten?"

Er: "Ok, sehr gut. Ihr Geburtsdatum lautet..."
Ich: "Was für Daten?"

Er: "Ok, das haben wir. In den kommenden Tagen wird Sie dann eine Dame aus unserer Sicherheitsabteilung anrufen, um alles Weitere zu besprechen. Wann sind Sie denn am besten erreichbar, eher Vormittags oder Nachmittags?"
Ich: "Ja eigentlich so gg. 3 Uhr Nachts."

Er: "Na prima, vielen Dank, wir werden uns dann in den kommenden Tagen wieder bei Ihnen melden."

Ich war baff. Diese Methode, eine Aufnahme durch entsprechende Fragestellung, Formulierungen und Pausen so zu gestalten, dass der Angerufenen für eine Zeit lang in dem Glauben ist mit einem echten Menschen zu telefonieren, ist mir bereits vor ca. 4 Jahren mal im Rahmen eines Telefonstreichs begegnet. Auf der Webiste www.marcophono.net funktioniert das ähnlich. Dort kann man dem Angerufenen verschiedene Satzbausteine von bestimmten Szenarien vorspielen und sich über seine Reaktionen amüsieren.

Hier war allerdings offensichtlich ein vollautomatischer Anruf-Roboter am Werk. Ich möchte nicht wissen wie hoch hier die Conversion-Rate, trotz aller bekannten Telefonmarketing-Storys, ist. Ausserdem möchte ich nicht wissen, wie viele Angerufene nicht einmal gemerkt haben, dass sie mit einem Roboter telefoniert haben.

Möglicherweise habe ich auch noch, an der Stelle des Gesprächs unmittelbar vor dem dargestellten Dialog, ohne es gemerkt zu haben einen mündlichen Vertrag abgeschlossen. Die verbindlichen Fragen nach Name, Geburtsdatum, etc. sprechen dafür. Abgesehen davon, dass solche Verträge meines Wissens nach mittlerweile nicht mehr rechtskräftig sind. Es bleibt übrigens noch die Frage offen, ob der Anruf-Roboter nur stupide die Antworten der Angerufenen aufzeichnet, oder in vereinfachter Form gar auf bestimmte Fragen reagieren kann, siehe die Stelle, als ich ihn nach seinem Unternehmen gefragt habe. Das wäre dann noch perfider.

Warnung

Abgesehen davon, dass es illegal ist, Privatpersonen ohne deren ausdrückliches Einverständnis zu Werbezwecken anzurufen, und ich bin sehr vorsichtig mit meinen Daten, fühle ich mich durch den Anruf schon sehr gestört, kann im Endeffekt aber darüber lachen und hab wieder was gelernt. Was ist allerdings mit denen, die nicht merken was da passiert, vor allem die ältere oder nicht so technik-affine Generation? Ich denke schon, dass es durchaus sinnvoll ist, diese Menschen, sofern man solche denn kennt, vor diesen fast perfekten Anruf-Robotern zu warnen.

Wie kann man sich vor solchen Werbeanrufen schützen?

Eigene Daten extrem sensibel behandeln

Ganz klar, seine persönlichen Daten stets extrem sensibel behandeln und seine Telefonnumer niemals bei irgendwelchen Gewinnspielen angeben und am besten so gut wie garnicht an Unternehmen oder Organisationen rausgeben. Auch sollte man seine Telefonnummer möglichst nirgens als reinen Text im Internet veröffentlichen, da diese von Robotern vollautomatisch ausgelesen und angerufen werden können. Auch ich muss meine Nummer in den Impressen der zahlreichen Websites die ich betreibe kurzfristig mal gegen eine entsprechende Grafik austauschen, bei welchen ich das noch nicht getan habe, oder mir ein Zweithandy mit Mobilbox für diesen Zweck zulegen.

In die Robinsonliste eintragen

In die Robinsonliste auf www.robinsonliste.de kann man seine Daten wie Telefonnummer, E-Mailadresse und Postanschrift eintragen. Seriöse Marketingunternehmen gleichen ihre Adressbestände mit dieser Liste ab und schicken Ihnen Deine keine Werbung oder rufen Sie nicht an. Dass die Hintermänner der beschriebenen neuen Generation von Telefonakquise-Robotern sich daran halten, wage ich allerdings mal zu bezweifeln.

Wie geht es weiter?

Im Rahmen der technischen Entwicklung, vor allem auch im Bereich der künstlichen Intelligenz, werden die Anruf-Roboter wohl noch besser werden. Ich bin gespannt ob die Damen aus der Sicherheitsabteilung hier demnächst nochmal anruft. Was ist mit Euch / was meint Ihr? Habt Ihr schonmal etwas ähnliches erlebt? Sollte man versuchen solche Leute anzuzeigen?

Bildquellen: Bikerock @ flickr & RainerSturm @ pixelio.de

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Kommentare (1) Trackbacks (0)
  1. Hatte bisher nur das Vergnügen mit der eher mauen 1.0er Variante, aufgelegt und gut ist. Ich denke generell, daß wie auch bei menschlichen Anrufern, die Methode komplett ignorieren und einfach auflegen am ehesten zum Erfolg führt. Zumindest wird der eigene Datensatz so nicht interessanter.

    So gerne man zur juristischen Keule greifen möchte, die meisten Anrufe kommen doch immer noch mit flascher oder unterdrückter Nummer über Strohfirmen im Ausland, die Erfolgsaussichten sind wohl bescheiden.

    Ich bleibe bei meiner goldenen Regel: Werde ich ohne vorherigen Kontakt angerufen, wird einfach aufgelegt, vorzugsweise während der Bot oder Callcentermitarbeiter noch seinen ersten Satz aufsagt.


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